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Boys and Books

Auch wenn ihr in der letzten Zeit nicht in der Bibliothek wart, sind euch bestimmt die Plakate mit dem Titel „Boys and books“ ins Auge gefallen, die für ein neues Regal mit Büchern speziell für Jungs werben sollen. Viele kritisieren dies als sexistisch. Das Problem, das viele hier sehen ist; dass dadurch sowohl bestimmte Bücher einem Geschlecht zugewiesen werden, als auch den Jungen einen bestimmter, stereotypischer Buchgeschmack.  Inwiefern sollte man Bücher gendern?

Ich habe das Bibliotheksteam mal nach ihren Intentionen gefragt. „Wir haben das Regal aus dem Grund eingerichtet, dass Jungs in der Regel nicht so viel lesen. Und so haben sie erstmal eine Anlaufstelle, ohne dass sie viel suchen müssen. Generell finden wir es natürlich doof, etwas genderspezifisch einzurichten, aber wir wollten erstmal natürlich darauf aufmerksam machen, dass wir so welche Bücher haben.“

Ebenfalls habe ich Schüler unserer Schule gefragt, was sie von dem Regal halten. Die Meinung waren sehr unterschiedlich, viele Jungen meinten aber, dass sie selbst dadurch jetzt nicht in die Bibliothek gehen würden und denken, dass das nicht viel bringe. Es gab aber auch ein paar Befürworter. „Ich muss zugeben, dass ich nicht viel lese, aber wenn ich lesen würde, würde ich als Junge vermutlich auch eher Bücher mit viel Action lesen. Daher glaube ich, dass es gar nicht schlecht ist, so ein Regal zu haben, wo mehr Bücher drin sind, die Actionfiguren haben und an Jungs angepasst sind. Dadurch sieht man dann vielleicht, was für eine Vielfalt es an Actionbüchern gibt und man fängt an zu lesen.

Dass Jungs weniger lesen als Mädchen ist ein weit verbreitetes Gerücht, doch stimmt das überhaupt?  

Tatsächlich haben Tests, wie zum Beispiel die Pisa Studie, ergeben, dass Jungs weniger und schlechter lesen als Mädchen, aber woher kommt das?

Kennt ihr das Prinzip einer selbsterfüllenden Prophezeiung? Eine Vorhersage wird durch die Reaktionen auf ihre Kundgebung wahr. Ein Beispiel: Stellt euch vor, jemand erzählt herum, dass es bald keine Schokolade mehr zu kaufen geben wird. Daraufhin stürzten alle sofort in den Laden, um sich so schnell wie möglich einen großen Vorrat Schokolade zu kaufen. Dadurch gibt es im Geschäft schon bald keine Schokolade mehr und die Prophezeiung hat sich erfüllt.

Dieses Prinzip ist sehr ähnlich mit dem, welches die Psychologen „Bedrohung durch Stereotypen nennen“. Erwartungen, die von der Gesellschaft schon früh an Kinder aufgrund ihres Geschlechts gestellt werden, belasten und beeinflussen die Schüler oft unbewusst und schränken dadurch ihre Leistungen ein. Das ist nicht nur bei Jungs so. Genauso trifft dies bei Mädchen zu, die schlecht in Naturwissenschaften seien.

Die meisten Menschen betrachten die Stereotypen als Folge der zugrundeliegenden Tatsachen, dass Jungs zum Beispiel wirklich weniger lesen. Vielmehr sollte man jedoch sehen, dass die Tatsachen genauso gut durch die Stereotypen beeinflusst werden. Daher ist es wichtig, Geschlechterrollen zu brechen und sich von geschlechterspezifischen Vorurteilen zu lösen. Dazu gehört meiner Meinung nach auch, dass man aufhören sollte, Produkte zu gendern und auf Marketingstrategien, wie „Boys and books“ zu verzichten.  

Aber was meint ihr?

Dana Leonie Dietrich (07/19)

Eine Antwort auf „Boys and Books“

Liebe Dana Leonie Dietrich,
mit Interesse habe ich den Artikel über boys & books gelesen. Dass die Schulbibliothek das Plakat von boys & books aufhängt, um auf aktuelle Leseempfehlungen (nicht nur) für Jungen hinzuweisen, freut mich sehr. Die Leseempfehlungen von boys & books basieren auf wissenschaftlichen Erkenntnissen über genderspezifische lesebezogene Differenzen. Sie wollen zudem die populäre Kinder- und Jugendliteratur, die nur selten Gegenstand schulischer Lektüreauswahl ist, in den Blick rücken, vor allem für Jungen, die wenig oder ungern lesen, aber auch für Mädchen. Das Projekt intendiert damit eine gendersensible Leseförderung, die divergente Leseinteressen berücksichtigt und auf breiter Basis Lesestoffe unterschiedlicher Genres, Themen und Schwierigkeitsgrade anbietet. Gender-Stereotypen sollen damit nicht zementiert werden. Falls Interesse besteht, stehen wir gerne für nähere Informationen zu unserer Arbeit und für einen Austausch – evtl. in Form eines Interviews für Andreanum – zur Verfügung. Wir freuen uns auf eine Nachricht.
Das Team von boys & books

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