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Wieso feiern wir den Pride Month?

Die meisten von euch werden sicherlich mitbekommen haben, dass im Juni der sogenannte „Pride Month“ gefeiert wird. Aber woher kommt das eigentlich und wieso ist es heute noch relevant?

Wir befinden uns in den USA in den 1960er Jahren. Damals wurde Homosexualität, beziehungsweise geschlechtsbezogene und sexuelle Diversität, als Krankheit angesehen und Angehörige der LGBTQ+ Community wurden deshalb ausgegrenzt, diskriminiert und in Zuchthäuser oder Gefängnisse gesteckt.

Das „Stonewall Inn“, eine Bar in der Christopher Street in New York, entwickelte sich zu dieser Zeit zu einer Art geheimen Treffpunkt, an dem sich viele queere Menschen aufhielten. Da das Lokal allerdings keine Lizenz zum Alkoholverkauf hatte, gab es oft Razzien der Polizei, bei denen es häufig zu Gewalt und Verhaftungen gegenüber homosexuellen Menschen kam.

Secrets of the Stonewall Inn | am New York
Bild: Das Stonewall Inn in der Christopher Street in New York
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Am 28. Juni 1969 kam es erneut zu einer gewalttätigen Razzia, doch diesmal hatte sich etwas geändert. Die LGBTQ+ Gemeinschaft wehrte sich gegen die Polizei und demonstrierte. Flaschen und Steine flogen durch die Luft und die Polizisten wurden durch Menschenketten abgedrängt. Es gab viele Verhaftungen und viel Gewalt von Seiten der Polizei, doch die Demonstrant*innen ließen sich nicht unterkriegen und die Uniformierten schafften es erst nach ca. 3 Stunden die Straße zu räumen.

Diese Unruhen führten zu weiteren Protesten für LGBTQ+ Rechte und gegen Polizeigewalt und sind der Anstoß für die Demonstrationen, die auch noch heutzutage stattfinden.

Um an die Aufstände zu erinnern und jene zu feiern, die sich früher schon für Diversität und Rechte eingesetzt haben, feiern wir den Pride-Month. In vielen Städten Deutschlands gibt es Paraden zum Christopher Street Day, welcher nach der berühmten Straße des Stonewall Inns benannt ist.

Ein Name, den ihr kennen solltet: Marsha P. Johnson

Vida, muerte y revolución de Marsha P. Johnson
Bild: Marsha P. Johnson
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Marsha P. Johnson (1945-1992) war eine afroamerikanische Transfrau, die sich sehr für LGBTQ+ Rechte einsetzte. Zeit ihres Lebens war sie obdachlos und musste sich mit Prostitution über Wasser halten. Im queeren Nachtleben der Christopher Street fand sie ihr Zuhause als Dragqueen. Vor allem lag es ihr am Herzen, obdachlosen LGBTQ+ Jugendlichen zu helfen und sie zu unterstützen. Zusätzlich klärte sie über HIV auf, um der Stigmatisierung von schwulen Männern entgegenzuwirken.  Bei den Stonewall Unruhen war sie sehr präsent und zusammen mit Sylvia Rivera, ebenfalls Aktivistin, maßgeblich an den Aufständen beteiligt

Wieso ist der Pride Month immer noch relevant?

In 70 Ländern der Welt ist Homosexualität strafbar.

In 15 Ländern folgt darauf die Todesstrafe.

In den meisten anderen Ländern werden LGBTQ+ Mitglieder diskriminiert und ausgestoßen. In Deutschland gab es 2020 laut Bundesinnenministerium 782 Straftaten, die aufgrund von homophoben und transphoben Motiven begangen wurden.

Deswegen feiern wir Pride, deswegen brauchen wir Pride. Um auf unsere Vielfalt stolz zu sein und uns nicht zu verstecken. Um für Toleranz und gegen Gewalt einzustehen. Um stolz darauf zu sein, was andere schon für uns geschafft haben und vor allem, um daran zu erinnern, welcher Weg noch vor uns liegt.

Dana L. Dietrich (06/21)

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Ein Postmortem der Beamtertafel – Bloß ein Stolperstein?

Die Rezeption meiner Klasse nach dem Einbau einer der neuen Beamertafeln war schon von Beginn an von wenig Begeisterung geprägt, informierte unserer Klassenlehrerin uns doch, dass der Aufenthalt im Klassenraum von nun während jeder Pause verboten sei. Um sicherzustellen, dass auch niemand diese kostbare Technologie beschädigte, wurde der Raum bei Pausenbeginn abgeschlossen.

Die damals vor allem als „Whiteboard“ bezeichneten Tafeln, obgleich das einzig wirklich bemerkenswerte an ihnen die gigantische Beamerkonstruktion und das rechteckige Schaltpanel an der Wand waren, hatten es auch mit den Lehrern eine Zeit lang schwer. Obwohl davon auszugehen ist, dass für den massiven Beamer, ungelenk, wie er an einem hohlen Metallarm hing, der Großteil des Kaufpreises draufging (ein zumindest optisch verwandtes Epson Modell mit vergleichbaren Features kostet rund 1600 Euro[1]), schrieben die meisten anstelle der wohl geradezu antiken Kreide einfach mit den mitgelieferten Whiteboard-Markern.

Doch es gab auch Entdecker und Abenteurer, die sich mutig und entschlossen mit fest ausgestrecktem Zeigefinger in den Dschungel der Benutzerführung und ästhetisch fragwürdigen Menüs des integrierten „Tafelmodus“ wagten.

Nicht viele von ihnen waren danach jemals wieder dieselben. Nur durch einige digitalerprobte Schüler schafften sie es zurück. Ich war eines der Mitglieder dieses „Elite-Teams“.

Denn alleine waren Ausführung und Steuerung dieses hochmodernen Arbeitswerkzeuges nicht zu bewerkstelligen. Fast erinnert es an das Pilotieren eines U-Bootes oder an die Steuerung einem der uralten Mainframes der Computerantike, wie mindestens zwei und am besten drei Experten stets jedes der drei Schaltpanele im Auge behielten mussten. Die Tasten am Beamer selbst, das „Touchpad“ der Tafel und die – angeblich – zentrale Steuereinheit an der Wand, ein ganz schönes Stück daneben. Das Prozedere an Eingaben und Tastendrücken, um die Tafel überhaupt einmal hochzufahren, hätte aber vermutlich auf keine Lochkarte gepasst. Einmal wurde uns sogar nahegelegt, vielleicht eine Anleitung zu schreiben. Erster Schritt: Einen Bannkreis ziehen.

Auch die Bugs, die sich früher noch als echte Lebewesen in den warmen Schaltkreis der Systeme einnisteten, fanden sich, nur steckten sie hier im Design. Das Laufwerk des eingebauten Intel NUCs verklemmte regelmäßig an der schlecht zugeschnittenen Umhüllung, das System selbst war über die sonnlicht-, finger- und eigentlich-fast-alles anfällige Touch-Eingabemethode des Beamers nur unangenehm zu bedienen. Bis unsere Klassenlehrerin sich erwärmte, eine Funkmaus und Tastatur anzuschaffen, wurde alles mit ausgestreckten Armen auf der riesigen Bildschirmtastatur eingetippt.

Irgendwann kapitulierten die Lehrer dann angesichts des umständlichen wie unpraktischen Tafelmodus, welcher, in etwa vergleichbar mit dem IBM 3270 von 1983, in einer Auflösung von 640×480 gerade einmal 8 Farben, drei verschiedene Hintergründe (weiß, kariert, linert) und nicht einmal die einzige Funktion, die wir Schüler und wirklich von einer solchen Apparatur versprochen hatten, bot: Das Tafelbild zu speichern. Ein so grundlegendes, sowie technisch unglaublich einfach umzusetzendes Feature, dass es einem nur das Gefühl von Schlamperei der Entwickler geben konnte, dass es nicht implementiert wurde. Aber vielleicht gab es das sogar, und wir konnten es bloß nicht finden.

Doch nun, bevor auch nur eine von ihnen Zeit hatte durchzubrennen – denn wie sollte man bei einer derart versiegelten Konstruktion jemals den Luftfilter des Beamers wechseln? – steht schon die nächste Generation auf dem Parkett. Die Bildschirmtafel. Man mag hoffen, dass sie eine schönere Geschichte hinterlassen wird. Und sich vielleicht auch langlebiger zeigen wird. Das einzige wirklich Nützliche – und auch das Einzige, was nach den ersten Wochen jemals produktive Verwendung im Unterrichtsalltag fand – war der Beamer. Insofern kann man sich wohl hoffnungsvoll zeigen, da die neuen Tafeln in ihrer Funktion vor allem den Fokus auf die Bildwiedergabe zu legen scheinen.

Doch was soll man nun aus dieser Geschichte lernen?

Nicht jede selbsternannte Innovation des Digitalzeitalters ist als grundlegende Revolution und Neugeburt der Welt zu betrachten.

Letztlich war unsere nagelneue Beamertafel kaum mehr als eine weitere Neuerfindung des Rads.

Nur dass das Rad nun auch Strom und eine 100-seitige Bedienungsanleitung benötigt. Und zudem mit der Arroganz von Sprüchen wie „Endlich raus aus der Kreidezeit“[2] einen ordentlichen Preisanstieg begründet.

Kai Simanski (06/21)


[1]https://heinekingmedia.de/education/digitale-tafel

[2]https://www.galaxus.de/de/s1/product/epson-eb-695wi-wxga-3500lm-interaktiv-uhp-35db-beamer-10128064?gclid=EAIaIQobChMI-9OXsrK-7gIVGvlRCh3eaQGUEAQYASABEgJeC_D_BwE&gclsrc=aw.ds

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Die Demokratie ist keine Entscheidung der Effizienz

Die Diskussion ist nicht neu, aber mit den steigenden Zahlen und Sorgen der Corona-Pandemie flammt sie wieder auf. Während die demokratischen Länder bis heute mit ihnen zu kämpfen haben, feiert die kommunistische Partei Chinas bereits den Sieg über das Virus, während die westlichen Länder über langzeitliche Verluste der Wirtschaftsstärke klagen, ist China schon wieder dabei, seinen Siegeszug zur „letzten Supermacht“ (möchte man t-online glauben schenken[1]) fortzusetzen. Neidisch mag man auf die Effizienz schauen, mit welcher diese Autokratie vorgibt, das Virus besiegt zu haben.

Versuchen wir gar nicht erst, was so viele China entgegen halten. Sicher, es gibt kritische Punkte, in denen der Mythos der Effizienz einer Autokratie sich als eben solcher erweist. Aber der entscheidende Punkt und der am häufigsten vergessene und verunglimpfteste ist dieser: Der Moralische.

Wenn an diesem Punkt das Augenrollen einsetzt ist das verständlich. Aber leider ist es die Wahrheit, dass eine Demokratie keine Entscheidung der Effizienz, sondern der Moral ist.

Philosphen wie Kant, einer der Vordenker der Aufklärung, haben lange versucht, Moral und Ethik aus natürlichen Gegebenheiten abzuleiten. Aber das ist absurd. Schon die Formulierung, etwas sei „ethisch nicht vertretbar“ rief bei mir zu frühen Schulzeiten ein Gefühl der Übelkeit hervor, impliziert sie doch, es gebe eine objetkive Ethik, die bestimmtes vorraussetze. Vielleicht ist es kein Zufall, dass diese Aussage von einer Religionslehrerin stammte.

Sind wir nicht gläubig und wollen in unseren Leben auch nicht allein auf die Bibel vertrauen, können wir nur von einer subjektiven Ethik ausgehen. Und alles Subjektive ist eine Entscheidung. Die Prinzipien der Autonie des Einzelnen und der Gleichheit aller Menschen sind – wenn auch möglicherweise aus solchen Richtungen geprägt – Entscheidungen, die von uns getroffen wurden, in der Ansicht, das auf diese Weise das beste Leben der Menschen zu erreichen ist.

Sagen wir es klipp und klar: Eine Demokratie ist ineffizient. Ginge es um Effizienz in der Welt, lägen die Menschen, betrachtet man schon ihre Existenz als nötig, seit Jahren in riesigen Tanks aus Nährflüssigkeit, wie es auch Mia in Juli Zehs Roman „Corpus Delicti“ dem großen Gesundheitsdiktator Kramer als zynischen Vorschlag unterbreitet.

Es mag sein, dass Autokratien und Diktaturen wie die Herrschaft der kommunistischen Partei Chinas eine Form der Effizienz gelingen mag. Es mag sein, dass Demokratien selbst bei optimaler Arbeit vielleicht nie in der Lage sein werden, sich mit einer solchen Produktivität zu messen. Aber es ist auch leicht, Entscheidungen zu fällen, wenn Gegenstimmen nicht existent sind – oder auf einfachem Wege ihrer Existenz beraubt werden können. Die Freiheit war schon immer unser Preis, ein Preis, dessen Zahlung wir als richtig erachten und welche auch nicht zwangsläufig mit ineffizienten Corona-Maßnahmen einhergehen muss.

Denn es gibt berechtigte Kritik am Vorgehen der Regierung im Umgang mit dem Virus. Ihre Existenz allein ist schon eines der Wunder der Demokratie.

Kai Simanski (06/21)


[1]https://www.t-online.de/nachrichten/ausland/internationale-politik/id_89090774/coronavirus-macht-die-pandemie-china-zur-letzten-supermacht-.html

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Alles grün oder was?

Wenn es etwas gibt, das für Nachhaltigkeit und Ökologie steht, dann ist es die Farbe Grün. Sicherlich nicht als Farbe des Gifts, vielleicht als Farbe der Hoffnung, garantiert aber als Farbe der Natur und der Pflanzen. Das FSC-Siegel zeigt einen Baum, das EU-Siegel für Öko-Produkte imitiert ein Blatt und der Stecker von Ökostromanbietern ist selbstverständlich knallgrün. Die Verbindung mit der Farbe geht so weit, dass der neue „Stromanbieter“ von Aldi sogar wortwörtlich „Aldi Grünstrom“ heißt[1].

Und was sieht man nun, wenn man einmal dessen Website besucht? Einen klaren, hellblauen Himmel, eine wolkenumfangene Berglandschaft und eine hellgrüne, fast grelle Wiesenlandschaft, auf der eine einzige, riesige Eiche steht. Das alles gibt es dann in meiner Steckdose?

„Nein natürlich nicht!“ – „Was für eine absurde Idee!“ – so oder so ähnlich stelle ich mir die sofortige Reaktion auf diese Frage vor. Versuchen wir es also mit einer anderen Frage: Warum ist es dann da abgebildet?

Bilder in der Werbung sollen eine Verbindung zwischen dem Abgebildeten und dem Produkt herstellen. Schöne Bergwiesen mit freilaufenden Kühen und Bergbauern im rustikalen, karierten Hemd auf Käsepackungen sollen bei uns den Eindruck erwecken, dorther stamme der Käse. Die hochkonstruierten Bilder auf Verpackungen entsprechen natürlich in den wenigsten Fällen der Realität.

Und genauso wenig führt der Vertragsabschluss bei einem Anbieter von „Grünstrom“ zum Entstehen oder Erhalt solcher Landschaften.

Dass Strom aus nachhaltigen Quellen auch nicht selten im direkten Konflikt mit der Natur stehen kann, beweisen die Diskussionen über Windräder in Naturschutzgebieten. Nachdem sich niemand in seinem Dorf oder auf seinem Acker davon belästigen lassen wollte, ist die Politik auf neue Standrote angewiesen. Eine häufige Überlegung: Windräder in Wäldern und Naturschutzgebieten[2]. Naturschützer und einige Politiker wettern dagegen[3].

„Wenn Windenergieanlagen in Waldgebieten errichtet werden, wird hektarweise Waldfläche für den Standort der Anlage und für den Bau zusätzlicher Zufahrtswege, die auch später erforderliche Wartungsarbeiten ermöglichen, gerodet.“, heißt es auf der Website der deutschen Wildtierstiftung.

Grünes Siegel, grüne Natur? Nicht wirklich und nicht immer. Aber so sollen wir wohl denken, wenn wir Produkte mit schönen Bildern von Bäumen und Wiesen kaufen – etwas komplexer und es würde am Ende noch die Verkäufe hemmen.

Kai Simanski (01/21)


[1]https://www.aldi-gruenstrom.de/

[2]Beispiele:
https://www.haz.de/Nachrichten/Politik/Niedersachsen/Erneuerbare-Energien-Niedersachsen-will-Windraeder-im-Wald-erlauben

https://energiewinde.orsted.de/klimawandel-umwelt/wald-als-windrad-standort-naturschutz

[3]https://www.deutschewildtierstiftung.de/naturschutz/windenergie-und-artenschutz

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All I want for Christmas is Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeit. Dieses wichtige Thema geht im alljährlichen Weihnachtsstress oft unter und wird nicht so richtig beachtet. Rückblickend auf Weihnachten 2020 kann man sagen, dass es alles andere als nachhaltig war. Viele Menschen wissen noch nicht einmal, was alles an Müll und CO2 an Weihnachten erzeugt wurde. Und nur wenige achten darauf, welche negativen Folgen Weihnachten eigentlich in Bezug auf die Nachhaltigkeit hat.

Ein wichtiger Teil des Weihnachtsfestes ist für viele der Weihnachtsbaum. Hinter dieser scheinbar „grünen“ Tradition verbirgt sich jedoch viel.  Von den Weihnachtsbäumen werden rund 80 % in Monokulturen angebaut, gespritzt und gedüngt. Außerdem gibt es importierte Bäume, die von Skandinavien aus bis nach Deutschland transportiert werden und somit den CO2 Ausstoß um einiges erhöhen.

Diese Bäume werden dann häufig mit Lichterketten geschmückt. Und auch so findet man dekorative Beleuchtung zur Weihnachtszeit überall. Das verbraucht sehr viel Energie, wodurch der Dezember im Schnitt der energieintensivste Monat des Jahres ist. Auch ein übermäßiges Heizen und das häufige Öffnen des Backofens, zum Beispiel beim Plätzchenbacken, benötigt viel Strom und Energie, und stellt somit ein Problem dar.

Eine weitere, verbreitete Tradition ist ein großes Essen an Heiligabend, meistens zusammen mit der Familie. Aufgrund der Situation letzten Dezembers kam die Befürchtung auf, dass wegen des Lockdowns keine Möglichkeit mehr bestehe, die nötigen Lebensmittel einzukaufen. Das hatte zu Folge, dass verfrüht zu viele Lebensmittel eingekauft wurden. Zusammen mit dem, was an den Weihnachtstagen überbleibt, landet damit ein große Menge an Lebensmitteln im Müll.

Schätzungen der Bundesregierung zufolge wächst der Abfallberg in der Weihnachtszeit um 20%.

Für diesen Anstieg sorgen nicht nur die entsorgten Lebensmittel, sondern auch Weihnachtsschmuck, wie Lametta und Plastikkugeln. Und auch das Geschenkpapier spielt dabei eine Rolle. Pro Jahr werden circa 8.000 Tonnen Geschenkpapiermüll produziert.

Um Geschenke für die Liebsten zu besorgen, wurde dieses Jahr vermehrt auf Online Bestellungen zurückgegriffen. Viele Nachrichtensender sprechen von einem enormen Paketversand in diesem Jahr. Das setzt nicht nur den Zustellern zu, sondern auch der Nachhaltigkeit. Denn durch das bestehende Angebot, bestellte Pakete gratis zurückzusenden, gibt es mehr Retouren. Und jedes zurückgeschickte Paket bedeutet mehr CO2 Ausstoß.

Dies sind einige der Gründe, die dafür sprechen, an Weihnachten auf Umweltschutz und Nachhaltigkeit zu achten. Aber dies ist nicht nur an Weihnachten wichtig. Denn auch über das Jahr verteilt wird so viel Müll, Co2 und Energie produziert und verbraucht, dass ein umweltbewussteres und nachhaltigeres Verhalten notwendig ist.  

Darja Jarilin (12/20)

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Zwei Probleme sind eins zu viel

Jedes Thema auf dieser Welt kann unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit betrachtet werden. Das lernen wir Schüler*innen spätestens in der achten oder neunten Klasse im Erdkundeunterricht und unterscheiden bei der Untersuchung dabei hauptsätzlich zwischen sozialen, ökonomischen und ökologischen Aspekten. 

So muss sich auch die Frage gestellt werden, ob und inwieweit die derzeitige Pandemie den Unterpunkten der Nachhaltigkeit entspricht. Die ersten beiden Betrachtungsaspekte kann und wird sicher jeder von uns recht schnell mit einem klaren nein beantworten. Jedoch bei Fragen um Umwelt, Klimaschutz und Artenvielfalt, Begrifflichkeiten, die sich unter dem Aspekt der Ökologie wiederfinden, ist die Bevölkerung weitaus mehr gespalten.

Dabei scheint die Antwort zunächst eindeutig auszufallen.

Denn wenn Flugzeuge nicht mehr starten, Kreuzfahrtschiffe die Häfen nicht mehr verlassen dürfen und der geringere Verkehr, gerade in der Anfangszeit von Corona, zu einer besseren Luft in den Ballungsräumen beiträgt, kommt es zu einer Folge an der sämtliche Staaten seit Jahren scheitern: der geringere Ausstoß an Treibhausgasen.

So prognostizieren sämtliche Klima-Forscher, dass die CO2-Emissionen in diesem Jahr bis zu 5% sinken könnten. Ein Teilerfolg, der sich bei dem Gedanken an die starken Einschränkungen, die es auf der gesamten Welt gab und weiterhin gibt, schnell wieder relativiert. Dennoch brachte der Lockdown im Frühjahr Bilder hervor, an denen ich und auch bestimmt der ein oder andere von Ihnen/ Euch sich erfreute. So erinnert sich jeder von uns sicherlich an einen Augenblick in dieser Pandemie, an dem er keinerlei von Flugzeugen verursachten Kondensstreifen am Himmel sehen konnte, oder an die Satellitenbilder der NASA, auf denen der deutliche Rückgang der Luftverschmutzung über der Stadt Wuhan sichtbar wurde. Schöne Phänomene, die eigentlich so gewöhnlich sein müssten, als dass sie von mir in diesem Artikel unerwähnt blieben. Stattdessen sind sogar negative Entwicklungen in Bezug auf die CO2-Emissionen erkennbar, schaut man noch einmal auf den am Anfang erwähnten Verkehr in den Innenstädten. Denn aufgrund der höheren Ansteckungsgefahr, des vergeblich eingehaltenen Mindestabstandes und der Maskenpflicht in Bus und Bahn, sind öffentliche Verkehrsmittel nicht mehr attraktiv genug. Da wird anstatt zur Fahrkarte lieber zum Autoschlüssel gegriffen und schon ist das „Mama-Taxi“ bereit, in Richtung Schule zu fahren.

Pandemiebewusstsein oder doch Bequemlichkeit? Es wird noch einige Zeit vergehen, bis dass diese Frage beantwortet werden kann.

Bis dahin müssen Themen zur Bekämpfung des Klimawandels es wieder in den öffentlichen Diskurs schaffen. Denn ein Problem wird nicht kleiner, wenn ein neues hinzukommt. Im Gegenteil, es kann plötzlich zu einer noch schlimmeren Gefahr mutieren.

Jakob Beck (12/20)

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Verdammte selige Weihnachtszeit

Ein Kommentar

Ein paar Tage vergehen und plötzlich ändert sich die ganze Welt. Alle sind mal wieder überrascht, ganz plötzlich. „Oh, bald ist wieder Weihnachten“ zu sagen ist wieder schick und das Gesprächsthema des ganzen Monats.

Mit kitschigen Pullovern, Massen an Keksen und Weihnachtssingles, die von eingeschlafenen Füßen bis zur Kotztüte reichen, bringt man sich in die sogenannte „Weihnachtsstimmung“,

geprägt von „Vorfreude“ und der „leuchtenden Begeisterung in den Kinderaugen“ in der Spielwarenabteilung der Kaufhäuser, zumindest bis ihre Eltern ein mangelhaftes Budget vorschicken müssen, da nicht jeder die nötigen Goldreserven für gigantische Lego-Sets unterm Bett liegen hat. Ein Traum der sie alle vereint: Weiße Weihnachten.

Aber schneien wird es nicht, der Boden ist so grau wie immer, wenn nicht grauer und dreckiger; was an Schnee kommt, wird vom Verkehr zu grauer Matsche verklumpt, die dann in schmuddeligen Brocken gefriert und die Verkehssicherheit gefährdet. Meistens schneit es überhaupt nicht und der Boden bleibt nackt, schwer zu sagen, was besser ist. Vor allem aber bleibt er eiskalt, sowie auch die armseligen Überbleibsel des Winters alles eiskalt und finster machen. Das regelmäßige Lüften in den Räumlichkeiten der Corona-Krise verlangt den armen Insassen einiges ab, wer draußen neben der Maske auch eine Brille trägt, ist praktisch blind, ganz egal, wie oft und wie sehr er an dieser rubbelt.

Unberührt davon, zum Glück aller Weihnachtsromantiker, bleibt die Werbung, der Weihnachtsmann auf der Coca-Cola-Flasche wirkt noch immer zufrieden, aber bei ihm schneit es ja auch noch. Genau wie bei allen anderen, grinsenden Werbefamilien, die scheinbar auch nie Gesichtsmasken tragen müssen und trotz aller Vorsichtsmaßnahmen ihre gesamte, spiegelglatte Verwandtschaft einladen können, um am großen Festessen mit dem goldenen Besteck und Schweinebraten aus dem Aldi-Sonderangebot teilzunehmen. So falsch, wie die Kinderaugen auf diesen wunderschönen, gedruckten Bildchen leuchten, scheinen wohl die Augen der Eigentümer solcher Marken um diese Zeit heller als jeder 500-Watt Scheinwerfer, ganz echt ergriffen von der wunderbaren Weihnachtsstimmung.

Schon den Adventskranz kann man kaufen, aus Plastik – das ist ökologischer – und mit vorgefertigter Dekoration – wer hat denn schon noch Zeit dafür? -, die Batterien für die eingebaute Lichterkette sind mitgeliefert. Die neuen LED-Kerzen können sogar flackern, nicht dass sie damit jemals jemanden reinlegen würden, aber zugegeben, ein netter Versuch ist es.

Während Jesus bei der Tempelreinigung den Handel mit Opfergütern und Luther den Handel mit Ablassbriefen als Sünde verabscheuten, ist der Handel mit Weihnachtsbäumen nicht nur ganz legal, sondern allgemein akzeptierter und vollkommen unverzichtbarer Teil des alljährlichen Rituals.

Aber die Krippe hat den Dachboden ja auch seit Generationen nicht mehr verlassen, ist sie nicht gar vollkommen verschollen, und wozu sich die Mühe machen, ist doch Weihnachten eh das Fest der Kinder, der Freude, der Familie, der Genüsse, des Schenkens, und weiß der Geier was sonst noch alles.

Kai Simanski (12/20)

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Mobbing am Andreanum

Ein Interview mit unserem Schulsozialarbeiter Christian Buitenduif und der Beratungslehrerin Frau Warneke

Was genau ist denn Mobbing?

Buitenduif Von Mobbing spricht man per Definition erst, wenn es über einen langen Zeitraum geschieht, genau genommen 3 Monate, gezielt gegen eine Person gerichtet ist und regelmäßig stattfindet. Der Begriff Mobbing wird umgangssprachlich sehr oft verwendet, aber in den meisten Fällen ist das dann mehr ein Ärgern oder Piesacken.

Warneke Natürlich piesackt man sich unter Freunden und macht auch mal einen dummen Spruch, aber das ist noch kein Mobbing. Das kann die betroffene Person aber natürlich auch als ätzend empfinden und sich damit nicht wohlfühlen.

Buitenduif

Ob das jetzt per Definition Mobbing ist oder ob noch eine Woche fehlt, ist dem Betroffenen ja auch egal. Grundsätzlich ist Mobbing immer ein Ungleichgewicht der Machtverhältnisse; der Gemobbte ist unterlegen und kann sich aus eigener Kraft normalerweise gar nicht aus so einer Situation befreien und ist auf Hilfe von außen angewiesen.

In welcher Altersgruppe ist Mobbing denn am Andreanum besonders ausgeprägt?

Warneke Ich glaube, es gibt nicht den einen Jahrgang, der zu Mobbing neigt, und den Jahrgang, in dem alle schön friedlich sind. Klar ist es in Zeiten der Pubertät etwas anstrengender, weil man sich da mehr mit sich selbst beschäftigt, versucht sich selbst zu finden und sich abgrenzt. Das funktioniert ja auch vermeintlich leichter, indem man andere herabsetzt, um sich selbst heraufzusetzen. Da kann es schnell mal sein, dass man an den Rand der Gruppe gerät und ausgeschlossen wird, wenn man beispielsweise nicht bestimmte Schönheitsideale erfüllt.

Buitenduif Dem stimme ich zu. Das meiste, womit ich hier zu tun habe, sind eher Konflikte und Streitereien, weniger Mobbingstrukturen. Und natürlich haben jüngere Schüler ganz andere Beweggründe als ältere Schüler, hier gibt es öfters mal Probleme, weil zum Beispiel der Freund aus der Grundschule auf einmal etwas mit anderen Mitschülern macht.

Was kann man denn gegen Mobbing tun?

Buitenduif Ich habe ja eben schon angesprochen, dass ein Betroffener des Mobbings wenige Chancen hat, allein etwas an der Situation zu ändern. Leider sträuben sich viele, Hilfe zu holen, aus Angst, dass sie deshalb noch weiter gemobbt werden, aber trotzdem ist das sehr wichtig. Man sollte sich bei Mobbing an Erwachsene wenden. Wir haben hier ja einige Fachkräfte an der Schule, die eine bestimmte Fortbildung gemacht haben, bei der sie gelernt haben, Betroffenen zu helfen. Man bildet zum Beispiel eine Unterstützergruppe von verschiedenen Schülern, ohne jemandem die Schuld zu geben.

Warneke Das zeigt ja auch, was andere Mitschüler*innen tun können. Dass man sich auch mal an die Seite des Betroffenen stellt, selbst wenn das vielleicht seinen eigenen Ruf schadet. Einfach mal eine Partnerarbeit mit dieser Person macht, damit sie nicht wieder übrigbleibt, oder jemanden in seine Sportmannschafft wählen, damit er*sie nicht wieder der*die Letzte ist. Bewusste Zeichen der Solidarität setzen. Auch da sollte man versuchen, seine Freunde mitzuziehen und diese davon überzeugen, dass es nicht schlimm ist, seine Pause statt zu dritt mal zu viert zu verbringen. Man muss im Umfeld neue Strukturen schaffen, denn meistens ist das Selbstwertgefühl der Opfer schon so weit runtergefahren, dass sie selbst nicht mehr wissen, wie sie sich helfen können.

Wichtig ist, den Mund aufzumachen und sich zu trauen, Ansprechpartner zu kontaktieren, zum Beispiel mit den Eltern, dem Beratungsteam oder der Klassenleitung reden, damit man Wege findet, so miteinander umzugehen, dass keiner mit Bauchschmerzen zur Schule kommen muss.

Meistens ist es auch so, dass die Mitschüler*innen genau wissen, dass das, was Person X gegenüber Person Y macht, total falsch ist und das Verhalten von X total bescheuert finden. Weil dann aber ein Regime der Angst herrscht, ist es eben schwierig, gegen jemanden, der dominant auftritt, aufzustehen und zu sagen „Das finden wir nicht richtig.“ Und das alleine hinzukriegen, ist halt schwer, aber wenn auf einmal 25 Schüler*innen dastehen und X ihre Meinung sagen, dann war`s das.

Wieso sollten Schüler*innen Ihnen als Beratungslehrern vertrauen, wenn ihre Probleme aufgrund von Vertrauensbrüchen entstanden sind?

(schweigen)

Warneke Ich glaube, mit der Frage sprichst du genau das Dilemma an, in dem die meisten Leute stecken, und deswegen ist es auch so schwer, dass sie auf sich aufmerksam machen. Also gerade weil sie ja das Vertrauen in andere und leider auch in sich selbst verloren haben, kapseln sie sich in ihren kleinen Kokon ein und werden dadurch ja noch einfacher zu einer Zielscheibe, weil eben so wenig Gegenwehr zu erwarten ist. Häufig ist es bei Problemen auch so, dass ein*e Freund*in zu uns kommt und die Geschichte erzählt: „ Also, ich habe da einen Freund…“ Und dann gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder der*die Freund*in, den das wirklich betrifft, wird das nächste Mal zu einem Beratungsgespräch mitgeschleppt oder der Freund in der Geschichte ist in Wirklichkeit die Person selbst, die ihre Geschichte in der dritten Person erzählt. Und dann ist es tatsächlich wichtig, und das ist dann der Vorteil von Herr Buitenduif, mir und anderen in der Beratung tätigen, dass wir eben nicht in der Mobbingstruktur drin sind. Die Schüler haben uns noch nicht erlebt, wie wir bei einem dummen Spruch nicht reagieren oder wie wir nicht darauf eingehen, wenn irgendjemand an die Wand gedrängt wird oder, oder, oder… Den Vorteil, den wir haben, ist, dass wir in den meisten Fällen Außenstehende sind.

Buitenduif Mobbing entsteht meistens in Gruppen, die man sich nicht selber aussucht, wie z.B. in der Schule oder am Arbeitsplatz, und ist eben ein Gruppenphänomen. Es sind nicht nur die Mobber, die daran beteiligt sind, sondern auch die Mitläufer und die meisten Leute, die gar nichts machen. Die Weggucker denken „Ich mach ja nichts“, aber genau dadurch unterstützen sie trotzdem das Mobbing, weil sie nichts dagegen tun und den, der das macht, noch darin bestärken, denn es sagt ja niemand etwas dagegen. So ist das Vertrauen in diese Gruppe beim Gemobbten ziemlich zerstört und da wir nicht in dieser Gruppe sind, fällt es leichter, sich an uns zu wenden. Wichtig ist zu wissen, an wen man sich wenden kann. Und vielleicht besteht ja auch die Angst, dass von uns Dinge gemacht werden, die sie nicht wollen.

Warneke Genau. Der*Die Beratungssuchende*r steuert den Prozess. Er oder sie kann sagen, ob mit bestimmten Personen geredet werden soll, z.B. ob es den Eltern erzählt werden soll oder eben nicht.

Buitenduif Nach §203 StGB unterliegen wir ja auch der Schweigepflicht. Wenn wir nichts erzählen sollen, erzählen wir auch nichts.

Dana Leonie Dietrich (04/19)

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Boys and Books

Auch wenn ihr in der letzten Zeit nicht in der Bibliothek wart, sind euch bestimmt die Plakate mit dem Titel „Boys and books“ ins Auge gefallen, die für ein neues Regal mit Büchern speziell für Jungs werben sollen. Viele kritisieren dies als sexistisch. Das Problem, das viele hier sehen ist; dass dadurch sowohl bestimmte Bücher einem Geschlecht zugewiesen werden, als auch den Jungen einen bestimmter, stereotypischer Buchgeschmack.  Inwiefern sollte man Bücher gendern?

Ich habe das Bibliotheksteam mal nach ihren Intentionen gefragt. „Wir haben das Regal aus dem Grund eingerichtet, dass Jungs in der Regel nicht so viel lesen. Und so haben sie erstmal eine Anlaufstelle, ohne dass sie viel suchen müssen. Generell finden wir es natürlich doof, etwas genderspezifisch einzurichten, aber wir wollten erstmal natürlich darauf aufmerksam machen, dass wir so welche Bücher haben.“

Ebenfalls habe ich Schüler unserer Schule gefragt, was sie von dem Regal halten. Die Meinung waren sehr unterschiedlich, viele Jungen meinten aber, dass sie selbst dadurch jetzt nicht in die Bibliothek gehen würden und denken, dass das nicht viel bringe. Es gab aber auch ein paar Befürworter. „Ich muss zugeben, dass ich nicht viel lese, aber wenn ich lesen würde, würde ich als Junge vermutlich auch eher Bücher mit viel Action lesen. Daher glaube ich, dass es gar nicht schlecht ist, so ein Regal zu haben, wo mehr Bücher drin sind, die Actionfiguren haben und an Jungs angepasst sind. Dadurch sieht man dann vielleicht, was für eine Vielfalt es an Actionbüchern gibt und man fängt an zu lesen.

Dass Jungs weniger lesen als Mädchen ist ein weit verbreitetes Gerücht, doch stimmt das überhaupt?  

Tatsächlich haben Tests, wie zum Beispiel die Pisa Studie, ergeben, dass Jungs weniger und schlechter lesen als Mädchen, aber woher kommt das?

Kennt ihr das Prinzip einer selbsterfüllenden Prophezeiung? Eine Vorhersage wird durch die Reaktionen auf ihre Kundgebung wahr. Ein Beispiel: Stellt euch vor, jemand erzählt herum, dass es bald keine Schokolade mehr zu kaufen geben wird. Daraufhin stürzten alle sofort in den Laden, um sich so schnell wie möglich einen großen Vorrat Schokolade zu kaufen. Dadurch gibt es im Geschäft schon bald keine Schokolade mehr und die Prophezeiung hat sich erfüllt.

Dieses Prinzip ist sehr ähnlich mit dem, welches die Psychologen „Bedrohung durch Stereotypen nennen“. Erwartungen, die von der Gesellschaft schon früh an Kinder aufgrund ihres Geschlechts gestellt werden, belasten und beeinflussen die Schüler oft unbewusst und schränken dadurch ihre Leistungen ein. Das ist nicht nur bei Jungs so. Genauso trifft dies bei Mädchen zu, die schlecht in Naturwissenschaften seien.

Die meisten Menschen betrachten die Stereotypen als Folge der zugrundeliegenden Tatsachen, dass Jungs zum Beispiel wirklich weniger lesen. Vielmehr sollte man jedoch sehen, dass die Tatsachen genauso gut durch die Stereotypen beeinflusst werden. Daher ist es wichtig, Geschlechterrollen zu brechen und sich von geschlechterspezifischen Vorurteilen zu lösen. Dazu gehört meiner Meinung nach auch, dass man aufhören sollte, Produkte zu gendern und auf Marketingstrategien, wie „Boys and books“ zu verzichten.  

Aber was meint ihr?

Dana Leonie Dietrich (07/19)