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Die zwei Seiten des Mobbings

Was macht das Opfer zum Opfer und den Täter zum Täter? (und wie man damit umgeht)

Ein Interview mit Frau Malerba Gallistl

Wenn man gemobbt wird, kommt man in die Rolle des Opfers. Und in der Rolle des Opfers ist es nicht bequem. Man muss etwas ändern, sonst gewöhnt er sich daran, ein Opfer zu sein.

Die Gefahr ist, dass man in der Rolle des Opfers bleibt und dass man sogar denkt, dass das die Rolle ist, die einem im Leben schon als Kind gegeben wurde.

Und dann wird man garantiert ein Opfer der Kollegen, ein Opfer der Familie, ein Opfer des Partners und selbst ein Opfer der eigenen Kinder, die einen irgendwann sehr schlecht behandeln werden. Man bleibt in dieser Opferrolle.

Welche sind die negativen Folgen, dass man ein Opfer ist?

Ein Opfer zu sein nagt am Selbstwertgefühl. Und wenn wir kein gutes Selbstbewusstsein haben, wenn wir uns nicht schätzen und nicht lieben – und ich kann mich nicht lieben, wenn ich weiß, dass ich ein Opfer bin 

Ich kann jammern, aber das heißt nicht, dass ich mich liebe, ich glaube vielleicht, dass ich mich liebe, aber ich liebe mich nicht, wenn ich mich lieben würde, würde ich mich schützen, ich würde mich bemühen, aus der Opferrolle heraus zu kommen

– dann treffen wir falsche Entscheidungen. Wenn ich mal gemobbt wurde und nichts gemacht wird – obwohl ich mir klarmachen muss, dass man immer die Kraft für eine Veränderung hat – kann es sein, dass ich mich in die Isolation flüchte. Ich gehe nicht zur Party, oder zur AG. Es gibt immer Leute in Gruppen, die Probleme lieber alleine lösen, weil sie instinktiv denken, dass sie in der Gruppe als dumm oder inkompetent gelten oder beleidigt werden. Also flüchtet man sich in die Isolation.

Die andere Lösung, wenn man nicht den Weg der Isolation einschlägt, ist, dass man um Aufmerksamkeit bettelt. Betteln um Aufmerksamkeit ist etwas, dass beim anderen überhaupt nicht gut ankommt. Ganz besonders kennt man das von der Partnerschaft. Wenn ich meinen Partner um Aufmerksamkeit bitte wie „Wann wirst du mich endlich fragen, wie es mir geht?“ tendiert der Andere dazu, sich zurückzuziehen. Das kann natürlich auch zwischen Eltern und Kindern und in der Clique so gehen. Das Betteln um Aufmerksamkeit ist ein Teufelskreis. Man hat dann die Bestätigung, dass es nicht funktioniert. Es funktioniert nicht, weil ich ein Opfer bin.

Wenn ich als Opfer jemanden finde, der mich ernst nimmt, werde ich ihn immer als einen Retter behandeln. Und man wird sehr schnell Opfer vom vermeintlichen Retter. Auch das geschieht sehr oft in der Partnerschaft. Wenn ich kein gutes Selbstwertgefühl hat, werde ich dankbar dafür, dass ich akzeptiert werde und werde nicht denken, dass es mein Recht ist, akzeptiert zu werden.

Wir haben jetzt viel über das Opfer gesprochen, man muss aber auch die Probleme sehen, die dem Täter gelten. Denn der Täter fühlt sich wohl, solange er andere unterdrücken kann. Und das kann für eine lange Weile gut gehen. Aber die Gefahr steckt darin, dass er irgendwann selbst angegriffen werden wird und das wird früher oder später im Leben passieren. Und weil er sein Selbstwertgefühl auf dem Heruntersetzen anderer aufgebaut hat, steht er dann plötzlich vor dem nichts. Das passiert sehr häufig und führt dann zur Depression oder zur Sucht. Dann muss man gucken, warum jemand das Bedürfnis hatte, alle anderen klein zu machen. Das liegt nämlich daran, dass er seine eigenen Emotionen, zum Beispiel Schmerz unterdrückt hat. Wenn man merkt, dass man ein Aggressor ist, und früher oder später wird man das merken, dann wird man auch merken, dass man in die Isolation geraten ist. Man ist zwar ein großer Held, aber komplett isoliert. Das ist eben die Rückseite der Medaille. Verena Kast, eine sehr interessante Psychoanalytikerin aus Zürich, spricht direkt von einer Verklammerung von Opfer und Aggressor.

Wenn jemand als Kind gemobbt wurde, wird er auch später noch die ganze Problematik des Opfers haben, aber

zur Opferrolle gehört auch die Aggressorrolle.

Das heißt, er wird Schadenfreude empfinden oder andere attackieren. Es kann auch intrapsychisch funktionieren, sodass er sich selbst attackiert. Er wird immer Migräne haben, oder sich selbst auf andere Weise schaden. Es wird sich im Körper kristallisieren. Natürlich kann man keinem Kind, das gemobbt wird sagen „du bist auch ein Aggressor“, aber es wird sich dorthin entwickeln. Die Rückseite des Opfer-Seins, ist das Aggressor-Sein. Und wenn ich mich von der Opferrolle verabschiede, verabschiede ich mich auch von dieser Rolle. Der Vorteil ist, dass ich nun mein Leben gestalten kann, mit Freiheit und mit Freude. 

Wie kann man sich denn selbst helfen?

Grundsätzlich ist es gut, darüber zu sprechen. Ich bemühe mich an der Schule sehr, gewisse Themen zu enttabuisieren, seien es Suchtproblematik, Depressionen oder Mobbing. Zuerst einmal muss man sich trauen jemanden zu finden, der ein offenes Ohr hat. Darum haben wir auch die Beratungsstellen am Andreanum eingeführt, damit man die Möglichkeit hat, mit gewissen Lehrern zu sprechen, die ein offenes Ohr haben sollten. Wenn sich der entsprechende Schüler zu Hause wohlfühlt, kann er das natürlich auch mit den Eltern besprechen. Bei den Eltern kann es allerding schwieriger sein, denn oft wird man ein Opfer, weil man in der Familie schon unterdrückt wird, die Eltern zu viel erwarten und weil man sich in der Familie daran gewöhnt hat, falsche Rollen einzunehmen, um die Eltern zufriedenzustellen. Die Hauptsache ist, dass man weiß: Man muss darüber sprechen.

Man muss darüber sprechen und wenn ich ein wenig älter bin muss mir im Klaren sein, dass es in meiner Verantwortung liegt, mich von der Opferrolle zu verabschieden, damit gewinne ich die Freiheit. Leben gelingt nur, wenn ich es selbst in die Hand nehme. Wie schaffe ich das? Zuerst rede ich darüber, ich kann zum Beispiel die Eltern bitten, die Schule zu wechseln.

Wie kann man den sein Selbstwertgefühl verbessern?

Man muss sich schon ein bisschen damit beschäftigen. Man muss sich fragen, welche Rolle man spielt.

Spiele ich immer die Rolle, die die anderen von mir erwarten, oder mache ich tatsächlich das was ist will?

Wenn ich mich lange mit der Frage beschäftig, werde ich merken was mir gefällt und was nicht. Ich habe Kraft, wenn ich das mache was mir gefällt und ich werde schwach, wenn ich mich in Rollen zwänge, die andere von mir erwarten. Und es kann sein, dass das lange Zeit geht, aber dann falle ich in die Sucht. Ich muss mich verrückt machen um die Klausur gut zu machen und vielleicht ist es mir ganz egal, ob die Klausur gut läuft oder nicht, aber ich weiß, es wird erwartet.

Das Leben entwickelt sich stetig weiter und ich muss mir immer die Frage stellen, ob das was ich mache für mich Sinn ergibt und ob es mir Freude schenkt. Das wird oft unterschätzt. Man denkt sich „das bringt viel Geld“ und es bringt viel Geld, aber keine Freude. Natürlich macht nicht alles immer Spaß, auch bei Sachen die mir gefallen. Manche Sachen machen mir keinen Spaß, aber ich weiß, dass es sinnvoll ist. Es muss Sinn ergeben. Und wenn das zutrifft baue ich mein Selbstwertgefühl auf, denn dann merke ich, dass ich mich entdeckt habe. Ich weiß was ich will und beginne mich zu lieben, zu schützen und zu akzeptieren.

Damit das Leben gelingt, muss man sich kennen. Damit das Leben gelingt, muss man sich lieben. Und drittens: Damit das Leben gelingt, muss man sich aus der Opferrolle befreien. Jeder kommt irgendwann mal in die Opferrolle, aber davon muss man sich verabschieden.

Dana Leonie Dietrich (07/19)

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Cybermobbing

Cybermobbing.

Ein immer wiederkehrendes Thema, was es eigentlich ganz schön in sich hat.

Jeder kennt es, jedoch sind mehr davon betroffen als man es sich vorstellen möchte. Laut einer Statistik der mpfs (Medienpädagogischer Forschungsverband Südwest) sind bereits 37% von Cybermobbing betroffen.

Zuerst würde man denken, dass Cybermobbing strafbar ist, allerdings ist dies nicht der Fall. Jedoch sind die Taten, die beim Cybermobbing gemacht werden strafbar, zum Beispiel Nötigung, Beleidigung oder sogar Drohungen. Mit diesem und vielen weiteren Medien-bezogenen Fragen und Antworten beschäftigt sich auch übrigens die Medienscout-Ag. In diser Ag bereiten sich unter anderem momentan die Achtklässeler des Andreanums für einen kleinen Besuch in den fünften Klassen, für die Aufklärung von Social Media Apps wie zum Beispiel Whats App, Instergram und Co.

Aber was ist Cybermobbing überhaupt?

Cybermobbing, auch Cyber-Bullying genannt, ist eigentlich nichts anderes als (meist anonymes) Bloßstellen, Schikanieren und Verleumden von sogannten Opfern im Internet. Meist fühlen sich die Täter, also die Mobber hier ungestört und sehr mutig, weshalb sie oft noch ,,agressiver“ auf ihre Opfer eingehen, da sie oft aus dem Bekanntenkreis der betroffenen Person kommen. Das Problem ist hierbei oft, dass es zumal anonym passiert und dass oft von Aussenstehenden verbreitet wird, denn wie jeder weiß:

Das Internet vergisst nie!

Aber wie kann man helfen?

Der erste Schritt ist es, auf jeden Fall nicht mitzumachen, da es sich sonst so schnell ausbreitet wie ein Lauffeuer. 

Man sollte auch Dinge wie Beleigungen dokumentieren. Zudem könnte man mit dem Opfer reden, vielleicht hat dieses ja schon eine Idee, wer hinter dem Internetmissbrauch stecken könnte. Als Opfer selbst heißt es nun erstmal: Ruhe bewahren, denn du bist NICHT allein!

Du solltest alles melden, blockieren und löschen, natürlich erst nachdem du alle Angriffe dokumentiert hast.

Wenn nichts hilft, solltest du mit einer Person darüber sprechen, selbst das kann einen schon beruhigen.

Also immer die Augen offen halten und handeln, denn durch Schweigen und Nichtstun wird sich nichts ändern!

Marlene Hilbert (05/19)

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Der Chemiker des Jahres 2019: Emil Fischer

Denen von euch, die dieses Jahr schon im Ch1 waren, ist bestimmt das Plakat des Chemikers des Jahres aufgefallen. Das ist dieses Jahr Emil Fischer, doch wer ist das eigentlich und wieso ist er Chemiker des Jahres?

Den Chemiker des Jahres wähle die Fachschaft Chemie aus, verriet mir Frau Malz. Chemiker, die in dem aktuellen Jahr ein Geburts- oder Sterbejubiläum feiern, kommen in die engere Auswahl und so fiel die Entscheidung dieses Jahr auf Emil Fischer, der am 15. Juli seinen 100. Todestag haben wird.

Emil Fischer, geboren am 9. Oktober 1852, wollte schon nach seinem Abitur unbedingt Mathematik und Physik studieren, allerdings lehnte sein Vater dies ab und überzeugte Ihn zu Kaufmannslehre. Diese brach er aber kurz darauf wieder ab, um an der Universität Bonn Chemie zu studieren. 1874 promovierte er dann in Straßburg und arbeitete später als Professor in Städten wie München, Erlangen und Würzburg.        

Einer seiner bedeutendsten Leistungen sind die FISCHER-Projektionsformeln und den Fund der Aminosäuren Prolin und Oxyprolin. 1902 erhielt er den Nobelpreis für Chemie für Arbeiten auf dem Gebiet der Zuckerchemie. Während des ersten Weltkriegs half er dabei, chemische Waffen für das deutsche Militär zu entwickeln und war somit für den Tod sehr viele gegnerischer Soldaten verantwortlich. Unterstützung des Krieges bereute und dass ihm die negativen Folgen mentales Leid zufügten. Zusätzlich musste er zu diesen Zeiten den Tod seiner Frau und seiner zwei Söhne verkraften.                                                                                                                      Im Jahr 1919 wurde bei ihm Darmkrebs diagnostiziert. Daraufhin regelte er seine letzten Angelegenheiten, vermachte sein Vermögen seinem Sohn und der Akademie der Wissenschaften zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses und nahm sich durch die Einnahme von Zyankali das Leben.

Dana Leonie Dietrich (01/19)

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Nicht nur ein Wissenschaftler: Der Chemiker des Jahres 2018, Otto Hahn

Denen von euch, die dieses Jahr schon im Ch1 waren, ist bestimmt das Plakat des Chemikers des Jahres aufgefallen, das ist dieses Jahr Otto Hahn, doch wer ist das eigentlich und wieso ist er Chemiker des Jahres?

Den Chemiker des Jahres wähle die Fachschaft Chemie aus, verriet mir Frau Malz. Chemiker, die in dem aktuellen Jahr ein Geburts- oder Sterbejubiläum feiern, kommen in die engere Auswahl und so fiel die Entscheidung dieses Jahr auf Otto Hahn, der seinen 50. Todestag hat.

Otto Emil Hahn wurde als Sohn einer wohlhabenden Familie am 8. März 1879 in Frankfurt am Main geboren. In der Schule schien er sich für Chemie und Physik nicht außergewöhnlich zu interessieren, experimentierte aber schon als Jugendlicher zuhause mit Elementen wie Wasserstoff und Phosphor. Nach seinem Abitur studierte er gegen den Willen seines Vaters Chemie in Marburg, mit Physik, Mathematik, Philosophie und Mineralogie in den Nebenfächern.

Nachdem er in Frankfurt seinen Militärdienst absolvierte, kehrte er nach Marburg zurück, wo er zwei Jahre blieb, bis er auf Anraten seines Professors Theodor Zincke nach London ging, um am University College mit Sir William Ramsay zusammenzuarbeiten (Dieser Nobelpreisträger könnte euch vielleicht als Entdecker mehrerer Edelgase bekannt sein). Dort fing er an sich auf die Radiochemie zu konzentrieren.

Aufgrund vieler wissenschaftlichen Erfolge, wie die Entdeckungen  mehrerer Isotope, erhielt Hahn die Möglichkeit, nach Montreal zu ziehen und dort mit dem Nobelpreisträger Ernest Rutherford (Den kennt ihr vielleicht vom Rutherford´schen Atommodell) zu arbeiten, bis er 1906 nach Berlin zurückkehrte und dort mit Emil Fischer (ebenfalls Nobelpreisträger, bekannt durch die sg. „Fischer-Projektion“) zu forschen.

In Berlin lernte er die junge Lise Meitner kennen, mit der er später die Kernspaltung entdeckte. Leider wurde die gemeinsame Arbeit von den Nazis unterbrochen, da Meitner Jüdin war und somit nicht arbeiten durfte. (Mithilfe von Hahn schaffte sie es glücklicherweise  nach Stockholm zu fliehen.) 1944 erhielt er für die Erfolge in der Atomforschung allein den Nobelpreis für Chemie.

Allerdings war Otto Hahn nicht nur auf wissenschaftlicher Ebene bewundernswert. Er setzte sich gegen die Nazis ein und selbst Einstein bezeichnete ihn als „Einer der wenigen, die aufrecht geblieben sind und ihr Bestes taten während dieser bösen Jahren“. Da seine Entdeckung der Kernspaltung zur Entwicklung der Atombomben führte, die 1945 auf Hiroshima und Nagasaki abgeworfen wurden, fühlte er sich schuldig und kämpfte sein Leben lang gegen die nukleare Aufrüstung.

Hahn wurde nicht nur zu einem der bedeutendsten Naturwissenschaftlern des 20. Jhd., sondern auch zu einem der einflussreichsten Vorkämpfer der Völkerverständigung und wurde mehrfach für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen.

Dana Leonie Dietrich (01/19)