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Schulroman mal anders

Buchempfehlung: „Nennt mich nicht Ismael!“

Wer kennt diese Geschichte nicht? Allein ein seltsamer Name erweist sich nicht selten als Ursprung unangenehmer Mobbing-Erfahrungen im Schulalltag. Doch fehlt vom klassischen, ausgekauten Mobbingroman hier jede Spur: Unser Schüler heißt Ismael, Ismael Leseur und ist nicht, oder zumindest nicht bloß, durch eigenwillige oder törichte Eltern, sondern aufgrund einer urkomischen Geburtsgeschichte, deren ausführliche Wiedergabe sich das Buch keinesfalls ausspart, nach Ismael aus Moby Dick benannt. Prompt diagnostiziert er sich das „Ismael-Leseur-Syndrom“, welches er für sämtliche Leiden und Probleme seines Lebens verantwortlich macht.

Da wären sein Scheitern im sportlichen Wettkampf, die Reaktionen seiner Mitschüler*innen auf eine selbstgebastelte Batman-Puppe, welche sie nur als den dicken Kontrolleur erkennen und die immer wiederkehrenden Sprüche und hinterhältigen Streiche vom größten Mobber der Klasse Barry Bagsley. Wirklich spannend wird es für Ismael, als ein neuer Schüler, der ungewöhnlicher gar nicht sein könnte, der Klasse beitritt. James Scobie, das scheinbar perfekte Mobbing-Opfer, gründet einen Debattierclub und bekämpft die Mobber auf seine ganz eigene Weise: Mit der Macht der Sprache. Zusammen mit einer Ansammlung der Aufgabe vollkommen ungewachsenen Klassenkamerad*innen muss es Ismael, der unter panischer Angst vor Zuschauer*innen zu sprechen leidet, irgendwie gelingen, eine vernünftige Argumentation zusammenzustellen.

Mit einem durchgehend bemerkenswert humoristischen bis geradezu satirischen Stil zeichnet Michael Gerard Bauer in seinem ersten Roman eine wundervolle Karikatur einer Schule und ihrer Mitgliedern, welche einer durchaus ernsthaften und sinnvollen Beschäftigung mit dem Thema des Mobbings jedoch niemals im Wege steht.

Auch oder gerade wer genug von den teils abstrus wirkenden Mobbingromanen hat, wird hier einen amüsanten Roman finden, der auch faszinierende Charaktere und andere Themen zu bieten fähig ist.

Kai Simanski (01/21)


Details:
„Nennt mich nicht Ismaell!“
Micheal Gerard Bauer
ISBN 978-3-423-62435-0

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Buchrezension – Grischa

Fantasyliteratur herrscht in Buchläden sowie in vielen Häusern über einen großen Teil der Regalfläche. Und zurecht:

Nichts hilft uns besser, dem schnöden Alltag zu entkommen, als von der uns Muggeln versteckte Welt von Harry Potter, von Narnias Königreich jenseits des Kleiderschranks, oder von Tolkiens Mittelerde mit seinen zahlreichen fantastischen Kreaturen und Völkern zu lesen. Diese Beliebtheit eines Genres führt natürlich fast schon zu einer Überfülle von Fantasyliteratur. Um da herauszustechen, muss man vor allem eines sein: Originell. Und das ist genau, was Grischa, eine Trilogie („Goldene Flammen“, „Eisige Wellen“, „Lodernde Schwingen“) von Leigh Bardugo, besonders macht. Das Heimatland ihrer Protagonistin Alina Starkowa ist keine Fantasiewelt voll schillernder Magie und Zauberei. Im eisigen Rawka, das stark an Rußland im 19. Jahrhunderts erinnert, lebt die Mehrheit der Bevölkerung ohne Magie als Untertanen des Zaren, der in seiner Armee diejenigen versammelt, die die Fähigkeit haben, Elemente wie Feuer, Wasser und Metalle, aber auch den Körper zu manipulieren. Die Heiler und Entherzer beispielsweise machen einen großen Teil der Armee aus. Diese in ganz Rawka hoch angesehenen Soldaten werden Grischa genannt, deren Anführer nur „der Dunkle“ genannt wird. Alina ist zunächst nur eine einfache Kartografin in der ersten Armee, bis sie ihrem Kindheitsfreund Maljen das Leben rettet, indem sie zum ersten Mal ihre einzigartige Kraft, Licht zu leiten und lenken einsetzt. Daraufhin wird sie zum Palast des Zaren gebracht, um dort zur Kriegerin ausgebildet zu werden. Als sich dann jedoch ein politischer Umbruch in Rawka anbahnt, unter dem das Volk von bösen Kräften versklavt zu werden droht und Alina für die Menschen im Lande als „Sonnenkriegerin“ immer mehr zur Ikone wird, muss Alina sich entscheiden: Stellt sie sich den Herausforderungen, die sie in den wilden Taigawäldern und kargen Steppen des Landes erwarten? Eine elegant und spannend geschriebene Trilogie, aus die einem typischen Fish-out-of-Water-Szenario eine interessante und einzigartige Geschichte macht.

Janne Sophie Borgaes (01/19)