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Die Demokratie ist keine Entscheidung der Effizienz

Die Diskussion ist nicht neu, aber mit den steigenden Zahlen und Sorgen der Corona-Pandemie flammt sie wieder auf. Während die demokratischen Länder bis heute mit ihnen zu kämpfen haben, feiert die kommunistische Partei Chinas bereits den Sieg über das Virus, während die westlichen Länder über langzeitliche Verluste der Wirtschaftsstärke klagen, ist China schon wieder dabei, seinen Siegeszug zur „letzten Supermacht“ (möchte man t-online glauben schenken[1]) fortzusetzen. Neidisch mag man auf die Effizienz schauen, mit welcher diese Autokratie vorgibt, das Virus besiegt zu haben.

Versuchen wir gar nicht erst, was so viele China entgegen halten. Sicher, es gibt kritische Punkte, in denen der Mythos der Effizienz einer Autokratie sich als eben solcher erweist. Aber der entscheidende Punkt und der am häufigsten vergessene und verunglimpfteste ist dieser: Der Moralische.

Wenn an diesem Punkt das Augenrollen einsetzt ist das verständlich. Aber leider ist es die Wahrheit, dass eine Demokratie keine Entscheidung der Effizienz, sondern der Moral ist.

Philosphen wie Kant, einer der Vordenker der Aufklärung, haben lange versucht, Moral und Ethik aus natürlichen Gegebenheiten abzuleiten. Aber das ist absurd. Schon die Formulierung, etwas sei „ethisch nicht vertretbar“ rief bei mir zu frühen Schulzeiten ein Gefühl der Übelkeit hervor, impliziert sie doch, es gebe eine objetkive Ethik, die bestimmtes vorraussetze. Vielleicht ist es kein Zufall, dass diese Aussage von einer Religionslehrerin stammte.

Sind wir nicht gläubig und wollen in unseren Leben auch nicht allein auf die Bibel vertrauen, können wir nur von einer subjektiven Ethik ausgehen. Und alles Subjektive ist eine Entscheidung. Die Prinzipien der Autonie des Einzelnen und der Gleichheit aller Menschen sind – wenn auch möglicherweise aus solchen Richtungen geprägt – Entscheidungen, die von uns getroffen wurden, in der Ansicht, das auf diese Weise das beste Leben der Menschen zu erreichen ist.

Sagen wir es klipp und klar: Eine Demokratie ist ineffizient. Ginge es um Effizienz in der Welt, lägen die Menschen, betrachtet man schon ihre Existenz als nötig, seit Jahren in riesigen Tanks aus Nährflüssigkeit, wie es auch Mia in Juli Zehs Roman „Corpus Delicti“ dem großen Gesundheitsdiktator Kramer als zynischen Vorschlag unterbreitet.

Es mag sein, dass Autokratien und Diktaturen wie die Herrschaft der kommunistischen Partei Chinas eine Form der Effizienz gelingen mag. Es mag sein, dass Demokratien selbst bei optimaler Arbeit vielleicht nie in der Lage sein werden, sich mit einer solchen Produktivität zu messen. Aber es ist auch leicht, Entscheidungen zu fällen, wenn Gegenstimmen nicht existent sind – oder auf einfachem Wege ihrer Existenz beraubt werden können. Die Freiheit war schon immer unser Preis, ein Preis, dessen Zahlung wir als richtig erachten und welche auch nicht zwangsläufig mit ineffizienten Corona-Maßnahmen einhergehen muss.

Denn es gibt berechtigte Kritik am Vorgehen der Regierung im Umgang mit dem Virus. Ihre Existenz allein ist schon eines der Wunder der Demokratie.

Kai Simanski (06/21)


[1]https://www.t-online.de/nachrichten/ausland/internationale-politik/id_89090774/coronavirus-macht-die-pandemie-china-zur-letzten-supermacht-.html

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Zwei Probleme sind eins zu viel

Jedes Thema auf dieser Welt kann unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit betrachtet werden. Das lernen wir Schüler*innen spätestens in der achten oder neunten Klasse im Erdkundeunterricht und unterscheiden bei der Untersuchung dabei hauptsätzlich zwischen sozialen, ökonomischen und ökologischen Aspekten. 

So muss sich auch die Frage gestellt werden, ob und inwieweit die derzeitige Pandemie den Unterpunkten der Nachhaltigkeit entspricht. Die ersten beiden Betrachtungsaspekte kann und wird sicher jeder von uns recht schnell mit einem klaren nein beantworten. Jedoch bei Fragen um Umwelt, Klimaschutz und Artenvielfalt, Begrifflichkeiten, die sich unter dem Aspekt der Ökologie wiederfinden, ist die Bevölkerung weitaus mehr gespalten.

Dabei scheint die Antwort zunächst eindeutig auszufallen.

Denn wenn Flugzeuge nicht mehr starten, Kreuzfahrtschiffe die Häfen nicht mehr verlassen dürfen und der geringere Verkehr, gerade in der Anfangszeit von Corona, zu einer besseren Luft in den Ballungsräumen beiträgt, kommt es zu einer Folge an der sämtliche Staaten seit Jahren scheitern: der geringere Ausstoß an Treibhausgasen.

So prognostizieren sämtliche Klima-Forscher, dass die CO2-Emissionen in diesem Jahr bis zu 5% sinken könnten. Ein Teilerfolg, der sich bei dem Gedanken an die starken Einschränkungen, die es auf der gesamten Welt gab und weiterhin gibt, schnell wieder relativiert. Dennoch brachte der Lockdown im Frühjahr Bilder hervor, an denen ich und auch bestimmt der ein oder andere von Ihnen/ Euch sich erfreute. So erinnert sich jeder von uns sicherlich an einen Augenblick in dieser Pandemie, an dem er keinerlei von Flugzeugen verursachten Kondensstreifen am Himmel sehen konnte, oder an die Satellitenbilder der NASA, auf denen der deutliche Rückgang der Luftverschmutzung über der Stadt Wuhan sichtbar wurde. Schöne Phänomene, die eigentlich so gewöhnlich sein müssten, als dass sie von mir in diesem Artikel unerwähnt blieben. Stattdessen sind sogar negative Entwicklungen in Bezug auf die CO2-Emissionen erkennbar, schaut man noch einmal auf den am Anfang erwähnten Verkehr in den Innenstädten. Denn aufgrund der höheren Ansteckungsgefahr, des vergeblich eingehaltenen Mindestabstandes und der Maskenpflicht in Bus und Bahn, sind öffentliche Verkehrsmittel nicht mehr attraktiv genug. Da wird anstatt zur Fahrkarte lieber zum Autoschlüssel gegriffen und schon ist das „Mama-Taxi“ bereit, in Richtung Schule zu fahren.

Pandemiebewusstsein oder doch Bequemlichkeit? Es wird noch einige Zeit vergehen, bis dass diese Frage beantwortet werden kann.

Bis dahin müssen Themen zur Bekämpfung des Klimawandels es wieder in den öffentlichen Diskurs schaffen. Denn ein Problem wird nicht kleiner, wenn ein neues hinzukommt. Im Gegenteil, es kann plötzlich zu einer noch schlimmeren Gefahr mutieren.

Jakob Beck (12/20)