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LGBTQIA+ in Wien – eine bedeutende europäische Stadt als Vorreiter für eine Bewegung und wichtiger Mittelpunkt für eine moderne Gesellschaft

Lange Zeit wurden in Wien wie im Rest der Welt Menschen, die der LGBTQIA+ Community angehören, benachteiligt und aktiv bedroht. Vor allem während der Zeit des Nationalsozialismus, aber auch noch nach der Gründung der Republik Österreichs waren sie diskriminierender Gesetzgebung und gesellschaftlicher Verfolgung ausgesetzt. Seitdem hat sich aber vieles verändert und es gab in vielen Belangen deutliche Verbesserungen und Fortschritte – in Wien so wie überall auf der Welt. In deren Folge ist die LGBTQIA+ Community heute weitestgehend akzeptiert, vor allem in größeren Städten. Und Wien mit seinen vielen Veranstaltungen und Projekten nimmt dabei eine wichtige Vorreiterrolle ein.

Seit 1979 gibt es in Österreich ein Diskriminierungsverbot aufgrund des Geschlechts im Bundesgesetz. Und da der Begriff „Geschlecht“ körperliches wie soziales Geschlecht beinhaltet, fällt auch das Diskriminierungsverbot von Transgender- und Intersexuellen-Personen unter das Gleichbehandlungsgesetzes. Im Oktober 1998 wurde die Wiener Antidiskriminierungsstelle für LGBTQIA+-Angelegenheiten gegründet, womit die Stadt Wien deutlich über den Diskriminierungsstandard der EU und der bundesweiten Regelungen in Österreich hinaus geht. Wien führte Schutzmaßnahmen für alle diskriminierten Gruppen ein, die damit heute alle gleich umfassend geschützt werden. Seit 1999 ist es zudem für gleichgeschlechtliche Partner*innen möglich, die Pflegefreistellung bei Erkrankung *des/der Partner*in zu beantragen und seit Mitte der 1990er-Jahre dürfen gleichgeschlechtliche Paare in Wien auch gemeinsam für ein Pflegekind sorgen.

2004 ist das Wiener Antidiskriminierungsgesetz in Kraft getreten, welches jede Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung in allen Lebensbereichen verbietet. Seit 2011 gibt es zudem auch einen einfachen und „nicht diskriminierenden“ Weg für eine Personenstandsänderung bei Transgender-Personen, da es zum Glück keinen Operationszwang mehr gibt. Auch ist im Wiener Jugendschutzgesetz dafür gesorgt, dass es ein Verbot gibt, Medien mit homophoben Inhalten Jugendlichen anzubieten oder an sie zu verkaufen.

Seit dem 1. Januar 2010 sind eingetragene Partnerschaften für gleichgeschlechtliche Paare möglich, allerdings ist die Ehe für alle erst seit dem 1. Januar 2019 erlaubt. Damit kann man heute als gleichgeschlechtliches Paar in berühmten Locations wie Schloss Schönbrunn, der Hofburg oder dem Wiener Riesenrad problemlos heiraten.

Zwei Ampeln mit gleichgeschlechtlinchen Paaren

Textfeld: Zebrastreifen mit den Regenbogenfarben anstatt der schwarzen FlächenEin Bild, das draußen, farbig enthält.

Automatisch generierte Beschreibung2015 wurden in Wien für den Eurovision Song Contest überall queere Ampelpärchen montiert, denn beim ESC 2014 hatte die Österreicherin Conchita Wurst gewonnen. Es gibt sogar einen Souvenirshop namens Ampelpärchen Rocks, bei dem man u.a. T-Shirts mit den Ampeln als Motiv kaufen kann. Häufig findet man bei diesen Ampeln auch Regenbogen Zebrastreifen auf den Straßen, also Zebrastreifen, wo die Zwischenräume der weißen Streifen in den Farben des Regenbogens ausgemalt sind. Der erste entstand in Wien 2019 anlässlich der EuroPride zwischen dem Rathaus und dem Burgtheater. Und anlässlich der ersten ausgestellten Geburtsurkunde mit der Geschlechtsangabe „inter“ gibt es seit März 2021 im 9. Bezirk auch den ersten Trans*-Pride Zebrastreifen.

Zebrastreifen mit den Regenbogenfarben anstatt der schwarzen Flächen

Die EuroPride fand 2019 das zweite Mal in Wien statt; das erste Mal war Wien 2001 Gastgeber. Es gibt allerdings auch Pride Veranstaltungen, die jedes Jahr in Wien veranstaltet werden, wie z. B. die Regenbogenparade, welche 1996 aus der Taufe gehoben wurde.

Pride Village vor dem Rathaus in Wien

1969 gab es in den USA die „Stonewall-Unruhen“, welche heute international als Schlüsselpunkt für den Kampf um die Gleichstellung von LGBTQIA+ gesehen werden. Dieses Datum jährte sich 1994 zum 25. Mal, was im Big Apple in einer Megaveranstaltung gefeiert wurde. Der Co-Leiter von QWIEN – dem Zentrum für queere Geschichte – Andreas Brunner war von dieser Feier und dem ganzen Programm davon so begeistert, dass er daraufhin selbst die erste Regenbogenparade in Wien mit einem Zug über die Ringstraße organisierte. Die Regenbogenparade ist der regelmäßige Höhepunkt der Vienna Pride, welche auch das Pride Village und den Pride Run Vienna beinhaltet. 2021 waren den ganzen Juni über alle 480 Wiener Bims mit Regenbogen-Fähnchen geschmückt und auf über 1700 Werbeflächen in Bussen, Bims und U-Bahnen stand auf einem regenbogenfarbenen Hintergrund der Schriftzug „Kein Platz für Diskriminierung“.

In diesem Jahr hat der 13. Diversity-Ball am 11. September die Ballsaison unter dem Ehrenschutz von Justizministerin Dr.in Alma Zadić eröffnet. Dieser Ball ist aber nicht nur für die LGBTQIA+ Community wichtig, sondern auch für Menschen mit Behinderungen aller Art, denn der Ball will ein Zeichen setzen für die Buntheit und Offenheit der Gesellschaft, für Toleranz, Barrierefreiheit und nicht zuletzt für gegenseitigen Respekt. Auf dem Ball gibt es aus diesem Grund auch sogenannte „Communication-Angels“, die in Österreichischer Gebärdensprache vermitteln können und „Guiding Angels“, für Menschen mit einer Sehbehinderung. Außerdem werden alle Programmpunkte von speziellen Dolmetscher*innen übersetzt und für Blinde werden alle Informationen in Brailleschrift angegeben. Zudem können sämtliche Bühnenacts direkt auf Hörgeräten empfangen werden. Der Diversity-Ball ist allerdings nicht der einzige Wiener Ball seiner Art, sondern es gibt z. B. noch den Regenbogenball, welcher zum 24. Mal am 29. Januar 2022 stattfinden wird oder der Life-Ball, welcher einer der größten HIV-/AIDS-Wohltätigkeitsveranstaltungen weltweit ist und seit 1993 jedes Jahr im Wiener Rathaus stattfindet. Abgerundet wird die Vielzahl an speziellen Veranstaltungen durch das Vienna Boylesque Festival, welches als Motto hat: „For a body, sex and gender positive world“, zwei Fetisch-Events und das Rosa Wiener Wiesn-Fest.

Foto von den Menschen, die auf dem Diversity-Ball performt haben

Neben diesen vielen und vielfältigen jährlich stattfindenden „Groß“-Veranstaltungen gibt es aber auch jedes Wochenende die verschiedensten Partys in den Clubs der Stadt, bei denen sich hauptsächlich Personen aus der LGBTQIA+ Community treffen. Viele Cafés, Bars und Restaurants wie z. B. das Frauencafé im 8. Bezirk, stehen speziell der LGBTQIA+ Community offen. In Wien sind Saunas für Schwule weit verbreitet, so z. B. die Kaiserbründl Herrensauna. In dieser soll sogar früher einmal der Erzherzog Ludwig Viktor, auch bekannt als „Luziwuzi“, Offizieren zu nah gekommen sein und dafür eine Ohrfeige bekommen haben. Zudem soll er auch häufig am Hof Kleidung getragen haben, die in der damaligen Zeit strikt als Frauenkleidung galt.

Wien besitzt eine relativ große Schwulen-Szene, aber es gibt auch viele Lokale und Veranstaltungen von Frauen* für Frauen* in der Stadt. Viele Sportangebote wie die Vienna Beach Trophy – das größte schwule und lesbische Beachvolleyball-Turnier Europas – aber auch Vereine wie „Aufschlag Wien“, welches der älteste und größte LGBT-Sportverein Österreichs ist, ergänzen und bereichern die Szene. Dazu kommen viele Freizeitgruppen und auch zahlreiche Selbsthilfegruppen sowie Ärzt*innen und Therapeut*innen die sich auf queere Kundschaft spezialisiert haben. Einen guten Überblick über die vielen Organisationen und Einrichtungen findet man hier:

https://www.hosiwien.at/links/

Für literaturinteressierte Personen gibt es die Buchhandlungen Löwenherz und ChickLit, welche hauptsächlich und in großer Vielfalt queere und feministische Literatur führen. Ergänzt wird das Buchangebot durch die Bibliothek und das Archiv im Zentrum QWIEN, welche wissenschaftliche Literatur aus den Bereichen Geschichte, Kulturgeschichte und Sozialwissenschaften führen. Dort findet man z. B. Sekundärliteratur zur Verfolgung Homosexueller in der NS-Zeit – ein wichtiger Beitrag zur Aufarbeitung dieser schlimmen Zeit. Eine kritische Aufarbeitung will auch der Projekt-Wettbewerb „Ein Denkmal für Männer und Frauen, die Opfer der Homosexuellen-Verfolgung in der NS-Zeit wurden“ vorantreiben. Am Ende soll das dabei geschaffene Denkmal im Resselpark im 4. Bezirk aufgestellt werden. QWIEN beherbergt umfangreiche und aktuelle Dissertationen, Diplomarbeiten und wissenschaftliche Berichte, die sich mit allen Themen aus dem Bereich LGBTQIA+ befassen. Abgerundet wird das Angebot durch eine große Sammlung von schwulen und lesbischen Zeitschriften und Magazinen.

QWIEN hat in der Vergangenheit selbst viele Projekte wie z. B. „Von Homoerotik zu Homophobie. Zur Dekonstruktion stereotyper Sexualitäts- bzw. Männlichkeitsbilder des ,Orients‘“ oder „Stonewall in Wien“ initiiert und unterstützt. Seit über 10 Jahren bietet QWIEN queere Spaziergänge in der Stadt an, bei denen Orte aufgesucht werden, wo (vermutlich) queere Personen oder Menschen gelebt haben. Wichtige Adressen dabei sind z. B. Schloss Belvedere, wo Prinz Eugen von Savoyen (1663-1736) eine Zeitlang wohnte, die Kettenbrückengasse 6, welches das Sterbehaus vom Komponisten Franz Schubert (1787-1828) ist oder die Wiener Staatsoper, welche von Eduard van der Nüll (1812-1868) und August Sicard von Sicardsburg (1812-1868) geplant und erbaut wurde. Letztere waren wohl beide im Privaten ein Paar.

Informationen zu den queeren Spaziergängen findet ihr hier: https://www.qwien.at/guide/

Durch all diese Organisationen und Veranstaltungen ist Wien nicht nur ein wichtiges Zentrum für die Bewegung geworden, sondern auch ein besonderer Ort zum Wohnen und Leben für Menschen der LGBTQIA+ Community, ganz zu schweigen von seiner gesteigerten Attraktivität als buntes und weltoffenes Reiseziel für alle Menschen. Die Stadt Wien ist sich der Tradition und Verpflichtung bewusst und sie ist stolz darauf. Sogar eine extra Rubrik für LGBTQIA+ Reisende wurde auf der offiziellen Webseite der Stadt.

LGBTQIA+ Auf der Webseite Wiens: https://www.wien.info/de/ganz-wien/schwul-lesbisch

Nicht zufällig lag deshalb 2020 Österreich auf dem 4. Platz des „GayTravel Index“ von der LGBT-Reiseplattform Spartacus, welche anhand von 17 Kategorien wie u.a. „Ehe für alle“, „Adoptionsrecht“, „LGBT-Marketing“ etc. diese Bewertung jährlich erstellt. Wichtige Elemente für diesen Erfolg waren das Unternehmen WienTourismus, das seit 1998 aktives LGBT-Marketing betreibt und der Umstand, dass Wien Gründungsmitglied des International Rainbow Cities Network ist.

dass Wien Gründungsmitglied des International Rainbow Cities Network ist.

In diesem Kontext wurde 2018 die Weltstadt Wien bei den jährlichen Australian LGBTI Awards als „Destination of the Year“ ausgezeichnet und die bereits weiter oben genannte Österreicherin Conchita Wurst erhielt dazu die Auszeichnung „International Icon“. Von GayTravel.com, der weltweit größten LGBT-Reiseplattform, wurde Wien im gleichen Jahr ebenfalls als beste internationale Destination ausgezeichnet und bereits 2017 hat die Welttourismusorganisation UNWTO in ihrem „Second Global Report on LGBT Tourism“ die Stadt als Best-Practice-Reiseziel und als „iconic destination for LGBT travellers“ bezeichnet.

LGBTQIA+ ist in Österreich, aber vor allem in Wien ein sehr wichtiges Thema, über das viel diskutiert wird, und durch die Anstrengungen der LGBTQIA+ Community ist Wien auch eine Stadt in der man sich als Teil dieser Community sicher und wohl fühlen kann!

Textfeld: Daja-Aliena KunitzAber dies ist ein fortwährender Prozess, ein Prozess, der niemals zu Ende ist und immer neue Wege und Erfolge finden und erreichen kann. Es wurde in den letzten Jahren sehr viel erreicht, aber es gibt immer noch viel zu tun, in der Welt und auch in der Stadt Wien, damit wirklich jeder Mensch gleich und frei leben kann, denn Diskriminierung ist auch heute noch immer allgegenwärtig – im Kleinen wie im Großen. Städte wie Wien aber sind Vorbild und ebnen den Weg für eine freie Zukunft.

In Wien stehen an vielen Stellen auf der Straße Polizist*innen, was einerseits ungewohnt ist, andererseits aber auch ein Gefühl der Sicherheit vermittelt!

Funfact

Daja-Aliena Kunitz


Bildquellen:

Ampeln in Wien (2): https://i.ds.at/xjf1cA/rs:fill:1600:0/plain/2019/12/22/ampelpaerchen.jpg

Pride-Zebrastreifen: https://www.5min.at/wp-content/uploads/2020/06/Regenbogen-Zebrastreifen-Villach1.jpg

Pride-Village: https://gay.ch/lifestyle/travel-mit-dem-bus-aus-der-schweiz-an-die-europride-in-wien/@@images/3c0ecaf4-5bdb-4fd5-8ef2-df295cff2fc2.jpeg

Diversity-Ball: https://club.wien.at/fileadmin/_processed_/e/7/csm_diversityball_ChristineMiess113_7926483e09.jpg

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