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Wien – Die Geschichte der Stadt

Wien ist nicht nur eine der ältesten Siedlungen in Mitteleuropa, sondern stellte auch in den letzten tausend Jahren immer wieder ein Zentrum für Kultur, Wirtschaft und Politik dar. Durch seine geographische Lage zentral in Mitteleuropa nördlich der Alpen an der Donau hatte es in der Wirtschaft immer wieder eine zentrale Position inne. Gerade durch diese zentrale Lage kam ihm auch eine Mittlerfunktion zwischen West- und Osteuropa zu, wodurch es politisch eine große Bedeutung hatte.

Der erste Vorgänger von Wien war ein Lager der Kelt*innen namens „Vedunia“, das 400 v. Chr. errichtet wurde und also schon vor mehr als 2000 Jahren existiert hat. Durch die Römer*innen, die zuvor schon zur Sicherung des Imperiums das Wiener Becken in ihre eigenen Reihen eingegliedert hatten, wurde dieses Keltenlager etwa 100 n. Chr. aufgelöst und durch ein römisches Legionslager namens „Vindobona“ ersetzt. Das Lager bestand aus einem Militärlager, einem Lagerdorf und einer Zivilstadt. Allerdings wurden auch die Römer*innen nach etwa 300 Jahren aufgrund von wachsendem Druck anderer Völker (wie den Goten und den Hunnen) vertrieben und das Lager wurde in Brand gesteckt. Überreste des römischen Zeitalters sind immer noch erhalten.

Legionslager Vindobona mit Lagervorstadt

Nach den folgenden „dunklen Jahrhunderten“, von denen nur wenig dokumentiert ist, sorgte Karl der Große dafür, dass Wien ab dem 6. Jh. unter fränkischer Kontrolle stand und erst 996 als „Ostarrichi“ dem babenbergischen Kernland zugeordnet wurde.

Die folgenden Jahre der Stadt sind geprägt von der Herrschaft der Babenberger, während der Wien im 12. Jh. zur Residenzstadt ernannt wurde und so schon zu dieser Zeit ein politisches Zentrum darstellte. Auch als Handelsplatz zwischen Ost und West erlangte Wien zu dieser Zeit immer mehr Bedeutung.

Etwa ein Jahrhundert später, im Jahr 1278, wechselte die Herrschaft durch den Sieg in einer Schlacht zu dem Haus der Habsburger*innen, die für die nächsten 650 Jahre regierten.

Nach vielen Jahren mit kleineren Auseinandersetzungen fühlten sich viele Staaten des Balkans durch die wachsende Bedeutung Wiens bedroht, die türkische Armee belagerten infolgedessen die Stadt zweimal. Im Jahre 1529 konnte die türkische Armee durch eigene Kraft jedoch geschlagen und aus Wien vertrieben werden. Allerdings sorgten die Schäden der Belagerung – der Schutzring, der für solche Fälle gebaut worden war, hatte nicht standgehalten und ganze Vorstädte Wiens waren niedergebrannt worden – dafür, dass in den folgenden Jahren alle Kräfte dafür verwendet werden mussten, um Reparaturen durchzuführen und die Verteidigung zu verbessern. Diese Zeit war in Folge der Reformation durch Martin Luther außerdem vom Religionsstreit geprägt, der zwar mit der Duldung von Protestant*innen endete, aber für innerpolitische Instabilität sorgte.

Nach weiteren kleineren Kriegen zwischen dem damaligen Österreich und den Staaten des Balkans kam es 1683 zu einer zweiten Belagerung von dem türkischen Heer, von der sich die Stadt nicht aus eigener Kraft befreien konnte und so auf außenstehende Hilfe angewiesen war. Nach fast drei Monaten der Belagerung kam im September 1683 ein „Entsatzheer“, das von Bayern, Sachsen und Thüringen zusammengestellt wurde, zur Hilfe und befreite die besetzte Stadt von den Türken.

Schon vor den Konflikten mit dem Balkan, war die Kultur in Wien von Bedeutung und brachte hervorstehende Gebäude und Gotteshäuser hervor. Nach diesen extremen Belastungen der Belagerung – die Vorstädte waren erneut niedergebrannt, die Schutzmauer erneut zerstört – und der ständigen Bedrohung über das letzte Jahrhundert, in dem das kulturelle Leben weitestgehend aussetzte, hatten die Bürger*innen Wiens erstmals wieder Kapazitäten für Kunst und Kultur.

Mit der Amtsannahme von Karl Vl. im Jahr 1711 wurde die Kultur erneut angekurbelt und gefördert. Besonders prunkvolle Gebäude wurden gebaut und sorgten so dafür, dass Wien erneut an kultureller Bedeutung gewann. Als Beispiel dafür gelten das Obere und Untere Belvedere, das Burgtheater und das Schloss Schönbrunn, die besonders durch die prunkvolle Gestaltung und die auffällige Demonstration von Reichtum hervorstechen.

Das Hofburgtheater in Wien. Fotografie, um 1908

Maria Theresia, die 1740 in der Folge von Karl Vl. ins Amt der Kaiserin trat, sorgte für eine weitere Entwicklung der Kunst in Wien und für den Namen „Kaiserstadt“, den Wien bis heute noch trägt und der sich auf die vielen beeindruckenden Namen und Gebäude aus der Zeit bezieht. Maria Theresia sorgte außerdem für Reformen in vielen weiteren Bereichen wie z. B. der Verwaltung (Trennung von Justiz und Verwaltung, Schaffung eines Stadtrats), Rechtswesen, Finanzen, Schulwesen (allgemeine Schulpflicht) und dem Heereswesen (allgemeine Wehrpflicht) und sorgte so für eine Art Beamtenstaat in Wien.

Diese besondere Förderung der Künste, besonders der Architektur, sorgte dafür, dass sich im 18. Jh. Wien über die Verteidigungsmauer hinweg vergrößerte und immer mehr Vorstädte eingemeindet wurden. Sie sorgte auch dafür, dass sich die Stadt durch Künstler*innen wie Joseph Haydn, Wolfgang Amadeus Mozart und Ludwig van Beethoven, die u.a. in Wien wohnten und Hauptvertreter der Wiener Klassik waren, zu einem kulturellen Mittelpunkt entwickelte.

Mamor-Statue von Wolfgang Amadeus Mozart im Burggarten

Auch die Wirtschaft ging in diesen Jahren voran und sorgte durch die zentrale Lage der Stadt weiterhin für ein wirtschaftliches Zentrum in Wien.

Die Französische Revolution, die sich am Ende des 18. Jh. entwickelte und in der Folge europaweit für Konflikte sorgte, führte dazu, dass Wien erneut unter Besatzungen leiden musste. 1805 rückten die Franzosen erstmals in die Stadt ein, konnten aber zurückgeschlagen werden. Ein zweites Mal versuchten sie das im Jahr 1809 und waren erfolgreicher. Die Wiener Bevölkerung litt daraufhin unter Lebensmittelknappheit, Preissteigerungen und Abgaben, die mit der Besatzung einhergingen. In dieser Zeit wurden besonders viele Erholungsorte und Kaffeehäuser errichtet, die die Bevölkerung von ihrem Leid ablenkten und bis heute einen Teil Wiens darstellen.

Erst 1813 mit dem Sieg über Napoleon in Leipzig konnte sich Wien von der französischen Besatzung befreien. Durch den Wiener Kongress, der 1814/15 in Wien stattfand und die Aufteilung des gewonnenen Landes ordnen sollte, entwickelte Wien sich außerdem zu einem politischen Zentrum und erlangte enorme Bedeutung.

Schon unter Franz ll., der von 1792 bis 1806 Kaiser war, wuchs die Unzufriedenheit mit den Lebensumständen in der Bevölkerung – Franz ll. änderte viele Teile des Gefüges der Stadt. Durch die Zensur- und Polizei-Politik, zu der er griff, unterdrückte er diese Unstimmigkeiten immer mehr, wodurch diese weiter wuchsen und schließlich zu einer Revolution im Jahr 1848 führten. Auch wenn diese Revolution niedergeschlagen wurde, sorgte sie dafür, dass im Jahr 1861 zum ersten Mal Wahlen in Wien stattfanden, bei denen allerdings nur ein kleiner Teil der Bevölkerung tatsächlich wählen durfte und die Christlichsoziale Partei gewählt wurde.

Auch wenn Wien in den folgenden Jahren immer noch ein musikalisches Zentrum blieb, das europaweit große Bedeutung hatte, wuchs das Leid und der Hunger der Bevölkerung. Die Industrialisierung sorgte außerdem für eine erhöhte Arbeitslosigkeit, einen großen Lohndruck und große Wohnungsnot und feuerte so die Unstimmigkeiten in Wien, die durch das Einführen des Wahlrechts noch nicht zufriedengestellt wurden, noch weiter an.

In Folge des Ersten Weltkrieges, der weitere Opfer der Bevölkerung forderte, wurde im Jahr 1918 das Ende der Monarchie eingeleitet und die Republik Deutschösterreich ausgerufen.

Die Kaiserzeit, die viele prächtige Schlösser und Gebäude hervorbrachte und damit endete, ist ein berühmter Teil der Stadtgeschichte Wiens und prägt bis heute das internationale Bild der Stadt.

Als erste Partei der Republik stellten die Sozialdemokraten die Regierung. Sie bemühten sich um bessere Lebensumstände für die Bürger*innen und die Demokratisierung vieler Lebensbereiche. Diese Zeitperiode wird auch das „rote Wien“ genannt (rot ist die Farbe der Partei).

Allerdings hielt diese Demokratie nicht lange, da es schon 1934 zu einem Bürgerkrieg in Wien kam, bei dem die Sozialdemokraten und die Christlichsozialen gegeneinander kämpften. Die Sozialdemokraten hatten bereits 1933 mit dem Rücktritt des Nationalratspräsidenten und der darauffolgenden autoritären Regierungsdiktatur ihre Macht in der Republik verloren. Daraufhin beschwerten sich die sozialdemokratischen Arbeiter*innen immer mehr über das autoritäre Regime, das u.a. auch mit dem faschistischen Mussolini kooperierte. Es kam zu den sogenannten „Februarkämpfen“ im Jahr 1934, in denen sozialdemokratische Arbeiter*innen sich mit Waffen gegen das Regime auflehnten. Die Kämpfe endeten mit mehreren tausend Toten und Verletzten und dem Plan eines öffentlichen Prozesses gegen die Führung der österreichischen Sozialdemokratie, der allerdings nicht stattfand, da sich zeigte, dass viele der angeklagten Verbrechen nicht bestätigt werden könnten.

Soldaten des Bundesheeres vor der Staatsoper bei den Februarkämpfen in Wien

In einer solchen politischen Instabilität begann in Wien der Zweiten Weltkrieg. Hitler marschierte im Jahr 1938 in Wien ein und verkündete den Anschluss Österreichs an das Nazi-Deutschland, was zwar gezwungenermaßen auferlegt wurde, von den Wiener*innen aber dennoch größtenteils willkommen geheißen wurde.

In den folgenden Jahren kam es zu einer immer weitergehenden Annäherung an das Deutsche Reich. Die Wiener*innen unterlagen den Einschränkungen und Gesetzen des Deutschen Reichs, wie der Gleichschaltung der Medien, dem Zusammenschluss der Judikative, Exekutive und Legislative sowie der grundlosen Verhaftung und der Zensur. Trotzdem trafen der Führerkult und Ein Bild, das Gebäude, draußen, Weg, Stadt enthält.

Automatisch generierte Beschreibungdie Diskriminierung , wie das Ausgrenzen der jüdischen Gemeinden und anderen Bevölkerungsgruppen, des Deutschen Reichs auf fruchtbaren Boden und wurden von vielen Wiener*innen schnell aufgenommen, was vermutlich u.a. damit zu tun hat, dass dies bereits bekanntes Gedankengut war – schon zuvor gab es in Wien menschenverachtende Pogrome von jüdischen Gemeinden. So wurden im Zweiten Weltkrieg insgesamt mehr als 90 Synagogen in Wien verbrannt – danach war nur noch eine einzige im ersten Bezirk übrig – und etwa ein Viertel der 200.000 in Wien ansässigen Juden*Jüdinnen ermordet. Während am Anfang des Krieges Wien noch als Zentralstelle für jüdische Auswanderung fungiert hatte, änderte sich das im Laufe des Krieges.

Seitenstettengasse 4; hier befindet sich der Stadttempel, die letzte jüdische Synagoge aus dem Zweiten Weltkrieg

Im Kriegsgeschehen waren die Soldaten von Österreich dem Heer des Deutschen Reichs einverleibt worden und galten als Teil der Wehrmacht.

Textfeld: Seitenstettengasse 4; hier befindet sich der der Stadttempel, die letzte jüdische Synagoge aus dem Zweiten WeltkriegAls zum Ende des Krieges die Ostfront immer weiter in Richtung Westen wanderte, kam so die Rote Armee auch Wien immer näher, bis es zu einem entscheidenden Kampf um Wien kam, bei dem Wien erneut als Mittler zwischen Ost und West fungierte. In den Jahren 1944 und 1945 gab es in Wien insgesamt 52 Luftangriffe und mindestens 9.000 Tote. Insgesamt wurden etwa 25% der Stadt zerstört, wobei u.a. die Wiener Staatsoper ausbrannte und der damalige Philipphof von fünf Bomben getroffen wurde. Unter dem Hof lag ein Luftschutzbunker, in dem mindestens 150 Menschen starben; insgesamt starben bei dieser Bombardierung schätzungsweise 300 Menschen, weswegen dieser Platz, der heute Albertina-Platz heißt, noch immer an die Opfer erinnert.

Nach dem Krieg wurde Wien, genauso wie das Deutsche Reich, in 4 Besatzungszonen eingeteilt, wobei der erste Bezirk unter gemeinsamer Herrschaft der Alliierten stand.

1955 war das offizielle Ende der Besatzung, was von einem aktiven Wiederaufbau gefolgt wurde. So wurde z. B. auch im Jahr 1979 die UNO-City errichtet, die neben New York und Genf den Sitz vieler Organisationen, die Frieden, Menschenrechte und nachhaltige Entwicklung vorantreiben wollen, bildet und so Wien internationale Bedeutung verleiht. Schon ein Jahr davor wurde die U-Bahn in Wien erbaut.

Vienna International Centre

Textfeld: Vienna International CentreWährend bis dahin Wien eine zentrale Rolle im Konflikt zwischen Ost- und Westeuropa gespielt hat, hielt die Stadt sich aus dem Kalten Krieg komplett heraus.

In die Europäische Union ist Österreich 1995 eingetreten und seit 1996 werden immer mehr Gebäude Wiens zum UNESCO-Weltkulturerbe ernannt.

Wien ist also nicht nur eine sehr alte Stadt, in der Überreste vieler verschiedener Zeiten noch heute zu sehen sind, sie war auch ein großer Teil dieser Zeit ein kulturelles, wirtschaftliches und politisches Zentrum, das große Bedeutung in Europa hatte und immer noch hat.

Wien ist stolz auf sein Wunderkind Mozart – obwohl dieser gar nicht hier, sondern in Salzburg geboren wurde!

Funfact

Anne Boltzendahl


Bildquellen:

Vindobona: https://www.wien.gv.at/kultur/archiv/geschichte/ueberblick/images/vindobona.jpg

Hofburgtheater um 1908: https://www.habsburger.net/de/medien/wien-k-k-hofburgtheater-fotografie-um-1908

Marmorstatue W. A. Mozarts: https://statues.vanderkrogt.net/Foto/at/atwi027.jpg

Februarkämpfe vor der Staatsoper Wien: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/4/45/Bundesarchiv_Bild_102-00329%2C_Wien%2C_Februarkämpfe%2C_Bundesheer.jpg

Seitenstettengasse 4: https://de.wikipedia.org/wiki/Stadttempel#/media/Datei:Stadttempel_Vienna_September_2006_013.jpg

Vienna International Centre: https://de.wikipedia.org/wiki/Vienna_International_Centre#/media/Datei:Uno_City_Kaiserwasser.jpg

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